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Montierung einnorden & Polsucherjustage

Der beste Polsucher nützt nichts, wenn er nicht justiert ist, und die Beste Montierung kann nicht ordentlich nachführen, wenn sie nicht eingenordet ist (also die Polachse genau auf den Himmelsnordpol ausgerichtet ist).

Polsucher Justieren
Montierung einnorden mit Polsucher
Fein-Einnordung mittels der Scheiner-Methode

Polsucher Justieren

Meistens sind die Polsucher nur montiert, nicht eingestellt wenn man sie (mit oder ohne Monti) kauft. Das müsst ihr jetzt nachholen :)

Zuerst einmal müsst ihr wissen wann Polaris mit der genauen Nordrichtung übereinstimmt.

Zum 1. Januar steht Polaris genau 19:35 über Greenwich genau bei 0° Länge, also genau im Norden.

Da wir aber nicht in Greewich wohnen, müssen wir rausfinden wann das bei uns der Fall ist.

Zuerst müssen wir wissen wo wir sind. Das finden wir mit einem Atlas raus. Oder bei Google Earth, oder Google Maps. Macht das genau, denn schon ein viertel Grad Abweichung macht eine Minute Versatz aus.

Diese Angabe (Beispiel ein Punkt in Berlin liegt auf 13° 24') übertragt ihr in ein Stellariumsprogramm. Kostenlose sind zum Beispiel "Cartes du Ciel" oder "Stellarium".

Jetzt sucht ihr euch Polaris raus, und stellt den 1. Januar ein, 19:35 von da aus (wenn ihr östlich wohnt von Greenwich aus) geht ihr in der Zeit vorwärts, bis Polaris bei AZ 0° steht... Für das Berliner Beispiel ist das 21:04 Uhr.

Jetzt könnt ihr beginnen den Polsucher zu justieren.

Am Polsucher und der Montierung sind ein paar Skalen, Urzeit, Datum, und vielleicht ein paar Gradeinteilungen nach Ost und West, sind diese Gradeinteilungen vorhanden, so nehmt dort die Mitte, also 0.

Stellt nun den Polsucher mittels der Skalen auf den 1. Januar, 21:04 ein. (Also hier im Beispiel, ihr nehmt eure ausgearbeitete Urzeit) Es gibt mehrer Tage und Uhrzeiten bei denen Polaris genau bei 0° steht, habt ihr eine davon (für euren Standort) könnt ihr auch die nehmen.

Achja, hab ich schon erwähnt dass es Tag sein sollte, und ihr ein Objekt haben solltet was gut durch den Polsucher zu erkennen ist, aber mindestens 1 km entfernt sein sollte? :)

 

 

 

Stellt euer Stativ auf (in Waage!) und baut die Montierung mit dem Polsucher drin auf. Gegengewichte, und Stange ab, Teleskope auch usw. Die nackte Monti reicht, alles andere behindert nur.

Nun stellt ihr sie Waagerecht, also so, dass der Polsucher waagerecht ist.

Ich werde ein besseres Bild nachliefern, hier verdeutlicht der grüne Strich den Ort wo der Polsucher liegen sollte


Bild von Wolfi

Jetzt richtet die zentrale Markierung (oft ein Kreuz) auf eine markante Stelle (Häuserecke, Straßenlaterne, Kirchturmspitze usw.) die ihr in einem Punkt definieren könnt. Hier im Bild symbolisiert das blaue Etwas den Kirchturm. Den markanten Punkt, die Kirchturmspitze, habe ich markant punktiert :)

Dreht ihr nun die Deklinationsachse (die sich um den Polsucher dreht) so dreht sich auch das Kreuz um den markannten Punkt.

Dreht diese Achse nun um 180 Grad (halbe Drehung).

Nun bewegt sich der Markante Punkt in irgend eine Richtung vom Kreuz in der Mitte weg. (wenn nicht, einpacken, ist justiert :)

Stellt nun an den Justierschrauben des Polsuchers den Sucher so ein, dass der Markante Punkt etwa die Hälfte der Strecke zurück wandert.

Nun dreht ihr die Monti wieder um 180°.

Der markante Punkt sollte nun einmal durchs Kreuz wandern, und etwa die selbe Strecke auf der anderen Seite drüben wieder raus schiessen. (Habt ihr ja verstellt)

Nun stellt ihr die Montierung (!!!, nicht den Polsucher) wieder so ein, dass der markante Punkt wieder genau in der Mitte des Kreuzes ist.

Jetzt wieder um 180° drehen, die Abweichung sollte nun weg sein, oder weitaus geringer als vorher.

Das wiederholt ihr jetzt so oft, bis sich der markante Punkt nicht mehr vom Kreuz weg bewegt, wenn ihr die Monti dreht.

Wenn ihr also die Deklinationsachse dreht, so sollte sich alles um das Kreuz drehen. Der markannte Punkt immer in der Mitte.

Fertig ist die Polsucherjustage.

(ich liefere noch deutlichere Bilder nach, sobald ich kann!)

 

Bilder von Wolfi

Montierung einnorden mittels Polsucher

Ganz wichtig ist, dass die Montierung genau in Waage steht. Dafür haben die meisten Montierungen eine Wasserwagenlibelle. Habt ihr diese nicht, oder ihr vertraut ihr nicht, weil sie aus China kommt, oder zu winzig ist :) so könnt ihr auch anders vorgehen.

Nehmt die Montierung vom Stativ, nun habt ihr die Auflagefläche nackt vor euch, nun könnt ihr eine kleine Taschenwasserwaage benutzen, um diese Fläche in Waage zu bringen.

Jetzt richtet ihr den Polsucher auf Polaris, wie ihr den findet seht ihr in der Sektion "Zurechtfinden am Himmel"

Wie euer Polsucher beschaffen ist, kann ich nicht wissen. Es gibt verschiedene, alle haben aber eine Datums- und Zeit-Einstellung und eine Skala wann Polaris wo zu sein hat. Lest bitte die Anleitung eures Polsuchers, oder eurer Montierung, und befolgt diese.

Danach könnt ihr die Einnordung prüfen indem ihr die Nachführung einschaltet, und einen Stern einstellt, und einfach eine weile wartet, wandert er im Bildfeld, so müsst ihr die Montierung noch genauer auf den Himmelnorpol ausrichtet.

Da Polaris nicht genau im Himmelsnordpol liegt, kann ein Polsucher nicht 100 % genau arbeiten. Wenn er jedoch richtig justiert ist, so liefert er euch ein schon brauchbares Ergebnis. Wenn die Belichtungszeit nich zu lang ist.

Reicht die Qualität der Einnordung nicht, und die Sterne werden zu Strichen, so müsst ihr (genau wie alle die keinen Polsucher haben) das nächste Kapitel in Angriff nehmen:

Das Scheinern

Das ist die hohe Kunst des Montierung einnorden, langwierig, aber das genaueste was man mit der Montierung machen kann. Wenn ihr hier alles richtig macht, und die Montierung gut gearbeitet ist, dann könnt ihr Belichtungszeiten von mehreren Stunden durchsetzen, und nur mal kurz alle halbe Stunde kucken ob es noch passt.

Wenn ihr einen festen Platz für eure Montierung habt (Garten mit Säule für die Monti, oder Selbstbausternwarte) so müsst ihr das nur einmal machen. Ab und zu kontrollieren, aber im Normalfall verstellt sich da nichts.

Habt ihr keinen festen Platz, so müsst ihr es jedes Mal machen, wenn ihr eine hohe Nachführgenauigkeit braucht. Selbst wenn ihr einen Polsucher habt, und ihn gut justiert und benutzt habt, und noch dazu ein Leitrohr benutzt, dann kann es ab bestimmten Brennweiten und Belichtungszeiten trotzdem zu einer Bildrotation kommen. Dann ist nur der Leitstern ein Punkt, alle anderen werden schon zu strichen. Statt des Nordsterns (Polaris) dreht sich der Himmel dann scheinbar um den Leitstern.

Die Idee irgend einen bekannten Stern zum neuen Himmelsnordpol zu machen hat zwar was, aber das ist nur einmal witzig :)

Wenn ihr nur kurze Belichtungszeiten benutzt, und stackt (siehe Bildbearbeitung) weil ihr im Stadtgebiet wohnt, und die Lichverschmutzung euch nicht an lange Belichtungszeiten ran lässt. Oder weil ihr es einfach lieber so macht. Nun dann reicht der Polsucher, und ihr könnt gleich zum nächsten Abschnitt springen.

Feste Richtzeiten gibt es nicht, ab denen man scheinern muss um das drehen der Sterne zu vermeiden, aber es wäre schade eine 3 oder 4 Stunden belichtete Aufnahme beschneiden zu müssen, nur weil im Randbereich schon die Kreise kommen.

 

Rechts seht ihr ein Modell einer parallaktischen Montierung.

Ich habe hier die 2 Achsen eingezeichnet, die beim Beobachten und Fotografieren benutzt werden, und die zwei die beim Aufstellen, und Scheinern benutzt werden.

Prägt euch die Begriffe ein, ihr werdet sie brauchen.

1 - die Verbindung zum Stativ, und gleichzeitig die Achse auf der der Azimut der Rektaszensionsachse eingestellt wird, also die OST-WEST Einstellung

2 - Die Polhöheneinstellung, hiermit wird die Rektaszensionsachse auch auf den Pol eingestellt, nur diesmal in der Höhe

3 - Die Rektaszensionsachse, die zeigt auf den Himmelsnordpol (wenn ihr alles richtig gemacht habt) und dreht das Teleskop um den selbigen, dies ist die Achse die die Nachführung übernimmt

4 - Deklinationsachse, wird auch zum anviesieren des Objekts benutzt, beim fotografieren, oder beobachten eines Objekts jedoch nicht mehr benutzt, wenn die Nachführung genau arbeitet.


3D-Modell einer Montierung
Bild von Benny Hartmann
   

Nun zum Scheinern, die wichtigsten Punkte schreibe ich in rot.

Erstmal stellt ihr eure Montierung auf, achtet darauf, dass sie wirklich in Waage ist.

Richtet die Rektaszensionsachse (also den Polsucher, falls vorhanden) so genau wie möglich auf den Himmelsnordpol aus. Habt ihr keinen Polsucher, so versucht es mit Kompass und Winkelmesser so genau es geht. Beim Kompass bitte aufpassen, nehmt den geografischen Nordpol, nicht den magnetischen. Die Polhöhe sollte eurer geografischen Höhe entsprechen. Befindet ihr euch mit eurer Monti auf 53° Nord, 13° Ost, so sollte der Polsucher (bzw. die Rektaszensionsachse) in einem Winkel von 53 Grad vom Boden nach oben zeigen.

Fortsetzung folgt... (wenn ich es selber nochmal durchgespielt hab :)